„Rohstoffe sind Wertstoffe – das gilt in politisch unruhigen Zeiten mehr denn je. Statt wegwerfen und neu kaufen: recyceln und weiternutzen. Das verringert die Abhängigkeit von Rohstofflieferanten aus oftmals politisch fragwürdigen Staaten. Dabei zähle ich auf die Erfahrung und die Innovationskraft der mittelständisch geprägten privaten Entsorgungswirtschaft in Bayern“, betonte Holger Grießhammer, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, bei einem Gespräch mit dem Vorstand des VBS. „Profiteure sind unsere Wirtschaft, die Umwelt und das Klima.“
Die Entsorgungsbranche leistet laut dem Statusbericht zur deutschen Kreislaufwirtschaft 2024 bislang die höchste Einsparung unter allen Wirtschaftssektoren in Deutschland: Die Emissionen der deutschen Abfallwirtschaft sanken von rund 41,2 Mio. Tonnen CO2eq im Jahr 1990 auf noch 4,3 Mio. Tonnen CO2eq im Jahr 2022 (= – 90 %). Aktuell werden auf europäischer und nationaler Ebene einige erfolgversprechende Ansätze für die Kreislaufwirtschaft diskutiert: produktspezifische Mindestquoten für Rezyklateinsatz, gesetzliche Vorgaben zum „Design for Recycling“, ein einheitliches Recycling-Label, Entwicklung von Qualitätsstandards für Rezyklate, digitaler Produktpass sowie ein EU-weites Deponieverbot für Siedlungsabfälle. In Deutschland dürfen bereits seit 2005 keine unbehandelten Siedlungsabfälle auf Deponien gelagert werden.
Ein weiteres Thema liegt VBS-Präsident Stefan Böhme aktuell besonders am Herzen: „Lithium-Akkus und -Batterien sind im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich. Jede zweite Altbatterie in Smartphones, Spielzeug und anderen Elektrogeräten landet leider immer noch in der falschen Tonne. Diese falsch entsorgten Lithium-Akkus und -Batterien stellen ein hohes Brandrisiko dar und schaden der Umwelt.“ Aus Sicht der mittelständisch geprägten privaten Entsorgungswirtschaft in Bayern bedarf es zweierlei: einer Aufklärung der Verbraucher, wie Batterien und Akkus richtig entsorgt werden, z.B. über zugelassene Rücknahmesysteme, sowie geänderter gesetzlicher Rahmenbedingungen, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen.
VBS-Präsident Stefan Böhme erläuterte, dass noch Potenziale zur weiteren Steigerung der Verwertung in Bayern vorhanden seien. So gibt es trotz der seit 2015 geltenden Getrenntsammlungspflicht von Bioabfällen auch in Bayern noch einzelne Gebietskörperschaften, die ihren Bürgern keine Biotonne anbieten. Der VBS fordert, alle privaten Haushalte an ein System zur Getrenntsammlung anzuschließen. Die Biotonne leistet einen Beitrag zum Ressourcenschutz, zum Kampf gegen den Klimawandel und dient dem Ausbau erneuerbarer Energien. „Dass wir es uns in einzelnen Landkreisen Bayerns heute noch leisten, durch ein ineffektives und unkomfortables Bringsystem jährlich Millionen Kubikmeter an Biogas und fast ebenso viele Tonnen an nährstoffhaltigem Kompost in der Müllverbrennung zu verlieren, ist kaum zu rechtfertigen.“ Die Staatsregierung sollte einen einheitlichen Vollzug sicherstellen und Schlupflöcher verhindern, mit denen Kommunen geltendes Bundesrecht umgehen können, denn: „Eine gut gefüllte Biotonne liefert ca. 36 Kilowattstunden Energie und leistet damit einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Zu Biogas und Kompostdünger wird Bioabfall aber nur, wenn er nicht länger in der Restmülltonne und damit in Müllverbrennung landet“, so VBS-Präsident Stefan Böhme. Ähnliches gilt für die Sammlung von Leichtverpackungen. Auch hier gehen viele wertvolle Stoffe verloren, die bei einer haushaltsnahen Sammlung (Gelbe Tonne) dem Recyclingkreislauf zur Verfügung stehen könnten.